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88% der Bundesbürger wünschen sich angesichts der anhaltenden, europaweiten Krise eine neue Wirtschaftsordnung. Dies ergab eine Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung1. 3 von 4 Befragten misstrauen darin den Selbstheilungskräften der Marktwirtschaft zur Lösung der Probleme. Der Kapitalismus sorge weder für ‚sozialen Ausgleich in der Gesellschaft‘ noch für den ‚Schutz der Umwelt‘ oder einen ‚sorgfältigen Umgang mit Ressourcen‘. In einer Rangfolge der persönliche wichtigen Dinge stehen für die deutschen Bürger zunehmend postmaterielle Ziel ganz oben: ‚Gesundheit‘ liegt auf dem Spitzenplatz, gefolgt von Zufriedenheit mit der persönlichen Lebens- situation‘ und dem ‚Schutz der Umwelt‘. Ganz unten in den Prioritäten stehen bei den Befragten dagegen ‚Geld und Besitz zu sichern und zu mehren‘. Schon mit diesen Ausschnitten aus der repräsentativen Studie wird klar, dass die darin geäußerten Werthaltungen völlig andere sind, als die Prinzipien unserer aktuellen Wirtschaftsordnung. Wie aber könnte ein alternatives Wirtschaftssystem aussehen und welche Veränderungen würde es für den einzelnen Bürger, für Unternehmen und für die gesamte deutsche Volkswirtschaft bedeuten? Der nachfolgende Artikel arbeitet zunächst den ‚blinden Fleck‘ des kapitalistischen Wirtschaftssystems heraus und stellt alternative Thesen für den Übergang in eine stärker gemeinwohlorientierte Wirtschaft vor. Adam Smith (1723-90) gilt als Begründer der Wirtschaftstheorie, die auch noch heute die Verständnisgrundlage für die westliche Industrieökonomie bildet. Im Zentrum der Betrachtung von Smith steht die Bedeutung von Produktivität, die er als Ergebnis produzierender Arbeit bewertet. Implizit (und damals völlig unbemerkt) unterteilt Smith Arbeit also in produktive und unproduktive Arbeit. Unproduktive Arbeiten sind für ihn alle Dienstleistungen, die erbracht werden, damit produktive, d.h. erzeugende Arbeit stattfinden kann. Außerhalb dieser Betrachtung stehen somit alle (menschlichen und natürlichen) reproduktiven Tätigkeiten und Prozesse. Durch diese Dichtonomie zwischen Produktion und Reproduktion entsteht eine machtvolle Hierarchie, in der das Produktive über dem Reproduktiven steht, das eine wertvoll, das andere wertlos. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsdiskurses der ökologischen Ökonomie wurde seit den 1970er Jahren zunehmend die Bedeutung des ‚Naturkapitals‘ erkannt. Naturkapital ist ein Bestand der den Fluss von natürlichen Ressourcen ermöglicht und wird in ‚erneuerbares‘ (Sonnen, Windenergie) und ‚nicht erneuerbares‘ (Erdöl, Kohle) Kapital unterschieden. In dieser Bedeutung liegt jedoch gleichzeitig der fundamentale Widerspruch in der Praxis der Industrieökonomie. In dieser Praxis wird das, was in den Verwertungsprozessen physisch (stofflich, energetisch) geschieht, in den Bewertungsprozessen geleugnet und abgespalten. Im Verständnis der heutigen Industrieökonomie wird also trennscharf voneinander abgegrenzt, was einerseits Warenform aufgrund von menschlicher Erwerbs- und Kapitalproduktivität angenommen hat, von andererseits sog. ‚unproduktiven Neben-/Naturprodukten‘. Diese Nebenprodukte fließen zwar als Bestand(teil) in die menschlichen Erzeugnisse ein, werden jedoch nicht ökonomisch bewertet. Die dadurch entstehenden Widersprüche Hergestelltes vs. von Natur Gewordenes, gesellschaftliches Subjekt vs. Natur-Objekt, Arbeits- und Kapitalproduktivität vs. Naturproduktivität werden in der westlichen Industrieökonomie abgespalten, bilden jedoch gleichzeitig die Basis ihrer Existenz.  Blicken wir auf die Krisen des 20. und 21 Jahrhunderts –Öl- Klima- Gesundheitswesen- Demografie- Finanzkrise – entstehen diese allesamt aus einem Mangel an Natur-Produkten. Mit Natur-Produkten sind nicht die Ergebnisse sondern die Prozesse gemeint, die das (Natur)Leben herstellen und erhalten. Genau jedoch diese Prozesse sind, wie oben beschrieben, ausgeblendet, denn die ökonomische Disziplin unterscheidet zwischen wertvollen produktiven und wertlosen reproduktiven, also sozial- weiblichen sowie ökologischen Leistungen. Die wesentlichen Konsequenzen aus dieser Abspaltung sind, dass beide reproduktive Bereiche nicht in die Kostenrechnung der Ökonomie eingehen, mit der Folge, dass sie maßlos ausgenutzt, vernutzt, beschädigt und langfristig zerstört werden. Mit ihren Strukturen und Modi bringt die Ökonomie der Industriemoderne nicht nur unerwünschte und auf sich selbst kontraproduktiv zurückwirkende Naturverhältnisse ( gesundheitsschädliche Produkte, Pflegenotstand, veraltetes Bildungssystem) hervor, sondern bemerkt dies noch nicht einmal. In der gängigen ökonomischen Bewertung erscheint das kontraproduktive Naturprodukt gar noch als Ertrag.  Um den Blick für das Ganze der Ökonomie zu weiten, ist es also notwendig zu erkennen, dass die Grenzen zwischen Natur und Kultur durch jeden menschlichen Produktionsprozess aufgehoben werden. Dies bedeutet, dass in der industriellen Produktion Naturstoffe (Energie, natürliche Materialien) und Naturleistungen/-(re)produktivität mit menschlicher Arbeit kombiniert werden. Auf diese Weise entstehen Hybrid- bzw. ‚Natur-Kultur-Produkte‘. Aus der Perspektive der Reproduktion bildet sich also ab, dass Aufbau- und Abbauprozesse im gesamten ökonomischen (Re)Produktions-prozess ineinander wirken. Das Produktionssystem Natur ist zugleich Ausgangspunkt, d.h. Produktivität UND Ergebnis dieses Prozesses. Dabei ist den Reproduktionsprozessen Veränderung und Erneuerung, d.h. Entwicklung zu eigen. Reproduktion findet also nicht in geschlossenen Kreisläufen sondern in spiralförmigen und zukunftsoffenen, also evolutiven Prozessen statt.  Eine wirksame nachhaltige Wirtschaft agiert auf Basis der Gewissheit, dass Produzieren und Reproduzieren, Herstellen und Wiederherstellen/Erneuern untrennbar zusammengehören. Dadurch wird das bisher ‚reproduktive‘ System als Teil ökonomischer Praktiken erkannt und bezieht sich sowohl auf reproduktive Natur- als auch Kulturprozesse. Damit reproduktive Kulturprozesse, d.h. sozial-weibliche Produktivität (Empathie, Koordinations- und Mediationsvermögen) in einem nachhaltigen Wirtschaftssystem eine realistische Bewertung erhält, muß in den kommenden Jahrzehnten das Genderthema in allen gesellschaftlichen Institutionen zu einer politischen Steuerungsstrategie werden. Voraussetzung für einen so grundlegenden Transformationsprozess ist, dass es gelingt, die Differenz zwischen Bewerten und Verwerten als inneres Widerspruchsverhältnis moderner Ökonomie zu überwinden. Denn im Rahmen des vorherrschenden ökonomischen Verständnisses wird sich nachhaltiges Wirtschaften in Hinblick auf seine (re)produktiven Zwecke nicht entfalten können. Der abstrakte Produktivitätsbegriff der industriellen Wirtschaft wird in diesem Veränderungsprozess um qualitative sozial-ökologische Kriterien erweitert  und sowohl im ökonomischen Raum als auch gesellschaftspolitisch zu bestimmen sein. Die Transformation in eine (re)produktiv verfasste Ökonomie bedeutet also zugleich eine umfassende Veränderung gesellschaftlicher Naturverhältnisse und ihrer Regulierungsformen. Um diesen Übergangsprozess  zu gestalten wird eine Normierung ganzheitlichen Nachhaltigkeits- managements benötigt, die die Bemühungen und Fortschritte von Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften meß- und vergleich- bar macht. Um diesen Übergang zu beginnen, werden von der sozialen Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie folgende Kernthesen als Ausgangspunkt formuliert:  Wirtschaftlichen Erfolg neu definieren Im der heutigen Industrieökonomie wird wirtschaftlicher Erfolg mit 2 Schlüsselparametern gemessen:          - dem Bruttoinlandsprodukt auf der Makroebene          - dem Finanzgewinn auf der Mikroebene Beide Parameter haben gemeinsam, dass es sich um monetäre Indikatoren handelt, d.h. sie werden in Geld gemessen. Neben unbestreitbaren Vorteilen, hat Geld wie oben beschrieben den Nachteil, dass es nur den Tauschwert zum Ausdruck bringt, nicht aber den Nutzwert. Menschen BEDÜRFEN jedoch ausschließlich verschiedene Nutzwerte. BIP und Gewinne sagen aber nichts Verlässliches über die Verfügbarkeit von Nutzwerten aus (z.B. ob sich ein Land im Krieg oder Frieden befindet, in einem Land eine Demokratie oder Diktatur herrscht, der Ressourcenverbrauch eines Landes steigt oder sinkt, Frauen gleichberechtigt sind oder nicht, ....) Egal, welchen Nutzwert wir abfragen, ein steigendes BIP sagt nichts Verlässliches über dessen Erreichung aus. BIP und Gewinn messen das Mittel, nicht aber das Ziel des Wirtschaftens! Das ist ein fundamentaler Methodenfehler. In keinem Projekt der Welt, wird sein Erfolg anhand von Mitteln gemessen anstatt an der Zielerreichung. Um den Nutzwert eines Produkts oder einer Dienstleistung zu messen, ist es notwendig qualitative und quantitative Indikatoren dafür zu entwickeln. Die Vorlage dafür könnte das ‚Bruttoglücksprodukt‘ des Staates Bhutan bilden, das über 20 Faktoren, die Lebenszufriedenheit seiner Einwohner, also das Volksgemeinwohl mißt. Später könnten diese Faktoren auf Produktebene übertragen werden, sodass der Nutzwert eines Produktes sich aus Gemeinwohl-orientierten Werten ergibt. Mit dieser neuen BEWERTUNGS-Methode würde der Erfolg einer Volkswirtschaft mit dem Gemeinwohl- Produkt (statt BIP) und der Erfolg eines Unternehmens mit der Gemeinwohl-Bilanz (statt der Finanzbilanz) gemessen.  Gemeinwohl messen Eine Gemeinwohl-Bilanz mißt den aktuellen Stand der von einem Unternehmen realisierten Gemeinwohl-Werte. Diese Werte befinden sich bereits heute in der Gesetzgebung der meisten demokratischen Länder und betreffen: - Menschenwürde - Gerechtigkeit - ökologische Nachhaltigkeit - Demokratie Das Ergebnis einer Gemeinwohl-Bilanz zeigt in quantifizierter und damit vergleichbarer Form, wie diese Grundwerte gegenüber den Berührungsgruppen/Stakeholder eines Unternehmens praktiziert werden.  Die Gemeinwohl-Bilanz Diese 5 Grundwerte werden dann auf der X-Achse aufgetragen und die Stakeholder auf der Y-Achse. In den Schnittflächen werden aktuelle 18 Gemeinwohl-Indikatoren gemessen: - wie sinnvoll die Produkte/Dienstleistungen - wie human die Arbeitsbedingungen sind - wo Frauen gleich behandelt und bezahlt werden           - wie ökologisch produziert wird - wie mit den Kunden umgegangen wird. - wie kooperativ und solidarisch sich das Unternehmen zu anderen Unternehmen verhält - wie die Erträge verteilt werden - wie demokratisch die Entscheidungen getroffen werden Diese 18 Indikatoren werden in Punkten gemessen sind und für jeden Indikator sind 4 Stufen erreichbar: - erste Schritte - fortgeschritten - erfahren - vorbildlich Zu jedem Indikator gibt es ein Handbuch (link), in dem Details und Hintergründe zu jedem einzelnen Indikatoren aufgeführt sind. Das Ergebnis der Gemeinwohl-Bilanz könnte auf allen Produkten u. Dienstleistungen ersichtlich sein und in verschiedenen Stufen, farblich gekennzeichnet sein. Maximal kann jedes Unternehmen, egal ob 1-Personen-Unternehmen oder großer Konzern 1000 Punkte erreichen. Die Darstellung der aktuellen GW-Ergebnisses könnten die Ampelfarben sein, d.h. wenig Punkte = rot, mittlere Punktzahl = gelb, hohe Punktzahl = grün.   Konsumenten hätten dann auf einen Blick die komplette Information über die Gemeinwohl- Performance eines Unternehmens. Wenn Sie Interesse haben, möglicherweise in ganz kleinen Schritten, das System einer praktizierten Gemeinwohl-Ökonomie kennenzulernen, senden Sie bitte eine kurze Mail an Nicole.Weis@Systemische- kommunikation.com
Newsletter 20 Lässt sich Glück erwirtschaften - Plädoyer für eine Gemeinwohlökonomie